Freundschaft in Zeiten von Mobilität und Netzwerken ist eine heikle Sache, aber unverändert schön. In meinen Gedichten und meinen Reise-Essays über Orte in Amerika, Europa und Asien spüre ich ihr nach. Ich selbst betrachte Heimat leider als den Ort, wo ich die Reihenfolge der Ampelschaltungen an großen Kreuzungen kenne. Meine Gedichte sind meist metrisch und viele tragen Widmungen (wer mich trifft, läuft schon Gefahr, bewidmet zu werden). Die Schönheit, die im Auge des Betrachters liegt, verbindet Welt und Wahrnehmenden immer neu.

„Das schöne Auge des Betrachters“ ist ein Band, der fünfunddreißig Gedichte versammelt, einfühlsam illustriert von Timothy J. Senior und sorgfältig ausgestattet von Johannes Frank, einem jungen Verleger in Berlin.
Das Buch enthält Zeilen zu Freundschaft und Entwurzelung, Mythen und Alltägliches, schmerzhaft Schönes und aufreibend Ungereimtes. Szenen und Namen, die im Lauf der Jahre bedeutsam waren, und die unsere Bahn bestimmt haben. Manches ist neu, vielleicht sogar überraschend. Freiburg und Kanada tauchen auf, meine Asienreise, Kunst, die mich bewegt hat (Anselm Kiefer etwa), und liebe, liebste Menschen.
Für mich ist Lyrik eine Form der Kommunikation und eine Manifestation des Erinnerns, des Gedenkens. Ich möchte, daß meine Gedichte verständlich sind, dem Leser etwas sagen, und daß sie das Gedächtnis an intensive Momente und prägende Begegnungen wachhalten. Gedichte sind Zwischenmenschliches, sie sollen Verbindungen erhalten und erneuern.
Daher war es sehr schön, mit dem Buch gleich nach Erscheinen auf Tour zu gehen. Johannes Frank packte seine Autoren Dominic Angeloch, Dimitris Lyacos, Johanna Melzow und mich in zwei Kleinbusse, und los ging es durch Deutschland, wie mit der Band. Potsdam, Würzburg, Heidelberg und Tübingen. Und die Reise geht weiter.
ISBN 978-3-940249-24-1




