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Auswärtsspiele und Prinzeninseln
Zwei Rezensionen zu aktuellen Büchern, die Reisen von Autoren ins sogenannte Ausland bezeugen: Isolde Ohlbaums Fotoband Auswärtsspiele und Joachim Sartorius’ Prinzeninseln.
“Auswärts”, im Ausland, tagt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung alle zwei Jahre. Wie “spielerisch” es dabei zugehen kann, zeigt sich in der gelösten Atmosphäre, die in vielen von Isolde Ohlbaums Dichter- und Denkerbildern herrscht. Dass hier eine (natürlich gemischtgeschlechtliche) Mannschaft unterwegs ist, macht Ohlbaum dadurch deutlich, dass sie fast nur Gruppenbilder in den Band Auswärtsspiele aufnimmt, der die Reisen anlässlich der Sitzungen zwischen 1998 und 2008 dokumentiert. Sie fanden in Budapest, Krakau, Turin, Sankt Petersburg, Kopenhagen und Lemberg/Czernowitz statt. Auch die gastgebenden Mitspieler sind auf zahlreichen Fotos zu sehen. Am Lächeln sieht man es: Es handelt sich um Freundschaftsspiele. Zwar werden hier keine Stadien gefüllt, aber auf den Bildern von Lesungen ist durchaus auch Publikum zu sehen.
Die andere Neuerscheinung beschäftigt sich mit den Istanbuler Prinzeninseln. Wie weit ihre Geschichte zurückreicht, und wie nah sie uns doch ist, macht folgende Beobachtung deutlich: Wer in Oxford “Modern History” studiert, beginnt seinen Kurs nicht etwa 1918 oder 1492, sondern mit dem Jahr 285. Die moderne Welt begann damals insofern, als der römische Kaiser Diokletian die östliche Hälfte des immer schwerer zu regierenden Reiches mit einem eigenen Kaiser ausstattete. Die Unabhängigkeit eines neuen selbstbewußten Machtraums am östlichen Mittelmeer mit eigenständiger politischer, religiöser und kultureller Identität nahm ihren Anfang. Sie entfaltete sich im byzantinischen Kaiserreich, das 1453 von den Osmanen erobert wurde. Von etwa 330 bis 1923 war Byzanz, Konstantinopel und schließlich Istanbul kosmopolitische Hauptstadt mit weiter Ausstrahlung.
Die teils in Asien, teils in Europa gelegene Metropolregion hat ein stilles Zentrum in den Kızıl Adalar, den Prinzeninseln im Marmarameer. Ursprünglich ein Verbannungsort für in Ungnade gefallene Mitglieder des Hofes (daher der Name), entwickelten sich die Inseln im 19. Jahrhundert zu einem stillen Erholungsgebiet mit urigen Hotels und Restaurants. Auch heute noch sind Pferde und Esel die einzigen erlaubten Fortbewegungsmittel.
Joachim Sartorius hat nun eine Liebeserklärung an diese Inseln veröffentlicht, einen schmalen Reiseessay aus ganz persönlicher Perspektive. Der mobile Kosmopolit Sartorius, aufgewachsen in Tunis und anderen afrikanischen Städten, Alumnus von Universitäten in Deutschland, England und Frankreich, ehemaliger deutscher Gesandter in Nikosia, früherer Generalsekretär des Goethe-Instituts und heute Intendant der Berliner Festspiele, findet hier auch für sich selbst einen ruhigen Aufenthalt. Die Inseln in ihrem verfallenden Charme ziehen ihn an. Er unterhält sich mit seinen Freunden, dem Nobelpreisträger Orhan Pamuk, dem bekanntesten Fotografen der Türkei, Ara Güler, und mit zahlreichen einfachen Menschen über die historische Topografie der Inseln, und er spielt mit der Idee, eines der stolzen Anwesen auf der Insel zu kaufen – vielleicht ja sogar die Villa, in der Trotzki im Exil war.
- Meine Rezension des Buches von Joachim Sartorius steht auf literaturkritik.de.
- Foto Copyright: http://www.flickr.com/photos/winterswan/ / CC BY 2.0




