Freundlichkeit und Liebe
Zwei kürzlich erschienene Bücher beschäftigen sich mit Freundlichkeit und Liebe — in Zeiten der Suchmaschine und der mangelhaften Freuddeutung. Freundlichkeit ist wie gute Gedichte: Wer glaubt, ohne sie auskommen zu können, hat sie am meisten nötig. Sie darf nicht durch ideologisch oder bürokratisch verordnete Solidarität ersetzt werden. Die Lage ist aber nicht gerade erfreulich: Moderne Menschen verpönen Freundlichkeit, denn sie sehen sie als Zeichen der Schwäche. Trotzdem sehnen sie sich nach ihr. Die Historikerin Barbara Taylor und der Psychoanalytiker Adam Phillips fragen in ihrem Buch Freundlichkeit, warum das so ist, und plädieren für mehr Freundlichkeit. (Adam Phillips und Barbara Taylor: Freundlichkeit. Diskrete Anmerkungen zu einer unzeitgemäßen Tugend. A. d. Engl. von Susanne Held. Klett-Cotta, Stuttgart. 165 S., 16,90 Euro.) Rousseau ist das Leitbild der Autoren, der große Verteidiger angeborener Freundlichkeit, die man … Den ganzen Artikel lesen »
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Auswärtsspiele und Prinzeninseln
Zwei Rezensionen zu aktuellen Büchern, die Reisen von Autoren ins sogenannte Ausland bezeugen: Isolde Ohlbaums Fotoband Auswärtsspiele und Joachim Sartorius’ Prinzeninseln. “Auswärts”, im Ausland, tagt die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung alle zwei Jahre. Wie “spielerisch” es dabei zugehen kann, zeigt sich in der gelösten Atmosphäre, die in vielen von Isolde Ohlbaums Dichter- und Denkerbildern herrscht. Dass hier eine (natürlich gemischtgeschlechtliche) Mannschaft unterwegs ist, macht Ohlbaum dadurch deutlich, dass sie fast nur Gruppenbilder in den Band Auswärtsspiele aufnimmt, der die Reisen anlässlich der Sitzungen zwischen 1998 und 2008 dokumentiert. Sie fanden in Budapest, Krakau, Turin, Sankt Petersburg, Kopenhagen und Lemberg/Czernowitz statt. Auch die gastgebenden Mitspieler sind auf zahlreichen Fotos zu sehen. Am Lächeln sieht man es: Es handelt sich um Freundschaftsspiele. Zwar werden hier keine Stadien gefüllt, aber auf den … Den ganzen Artikel lesen »
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Ein bewegter Jahreswechsel
Vom 15. bis zum 17. Dezember fand eine kleine Lesereise zum Erscheinen von Larkin Terminal statt. In der Tübinger Buchhandlung RosaLux fand im Anschluß eine engagierte Diskussion statt, unter anderem zur Frage, wie Informationstechnologien und neue Medien nicht nur Vorinformationen zu Reisen liefern, sondern durch nachträgliche Recherchemöglichkeiten auch Erinnerungen prägen. Im Heidelberger Antiquariat Stange erkundete eine bunt gemischte und lebendige Zuhörerschaft die Frage, ob man auf Reisen bewußt Aufmerksamkeit steuern kann und gelegentlich auch abschalten darf (das Foto zeigt, von links, die Künstlerin Christiane Schauder, Hilde Domins Biographin Marion Tauschwitz und Antiquariatsbesitzerin Rosemarie Stange). Wiesbadens Buchhändler und Antiquar Thomas Wiederspahn lud zu einem festlichen Abschluß in sein Geschäft gegenüber dem Schwarzen Bock. Viola Bolduan vom Wiesbadener Kurier berichtete. Im Vorfeld der Lesungen erschien im Wiesbadener Tagblatt ein ausführlicher Bericht zum Buch. An … Den ganzen Artikel lesen »
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John Donne, neu auf deutsch
Timothy Steele sagt, John Donne “goes up to eleven” (siehe Spinal Tap), und Brodsky sagt, die neuere englische Dichtung habe Donne “alles” zu verdanken. Wolfgang Helds neue Auswahlübersetzung macht den metaphysischen Dichter greifbar. Helds Übersetzung entscheidet sich für Reim und Metrum, und das ist auch gut so, auch wenn Donne selbst mit den Metren auf Kriegsfuß stand. Ein ausgeprägtes Bewusstsein von metrischen Tücken und Subtilitäten beweist Held etwa mit einem wohlgesetzten Spondeus auf „vorsichtig“ im Gedicht „Bettzeit“. Den Reim auf „Herz“ umgeht Held souverän, eine schöne Tat ebenso wie „Geist / dreist“ im selben Gedicht. „Testament“ ist am besten gelungen. In diesem rabiaten oder, um es mit Björn Kuhligk zu sagen, ‚rotzigen’ Gedicht schlägt Held zielsicher über die Stränge, und der Donne-Sound kommt richtig ins Rollen. Meine Rezension auf www.literaturkritik.de. … Den ganzen Artikel lesen »
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