Freundschaft am Erker

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Unversöhnte Eintracht und ein Plädoyer gegen Erker 62 Freundschaft 187x300 Freundschaft am Erker verquälte Innenansichten monomaner Exzentriker: Das aktuelle Heft der Zeitschrift “Am Erker” (Nr. 62) widmet sich dem Thema Freundschaft. Enthalten sind Kurzgeschichten, Gedichte und Essays sowie, wie immer beim “Erker”, jede Menge Rezensionen.

In einer Kurzgeschichte mit dem schönen Titel “Die Insel, das Unglück, Christoph und ich” beobachten zwei Jungs einander, der eine ist cool, der andere sieht es und ist viel zu warm angezogen. Sie sind auf Klassenfahrt oder im Urlaub auf einer Insel. Der Coole schwafelt, der Beobachtende hört zu und weiß gar nicht, was das soll, und ist immer mehr genervt. Sirenen heulen, die beiden werden Zeuge einer maritimen Rettungsaktion, der Coole wird verhauen. Aber Genaues erfährt man nie. Die elliptische Bildfolge steht in einer markanten Spannung zu den blumigen Formulierungen, die hart an der Grenze zur Parodie liegen, aber nie darüber hinausgehen. Das Schlussbild ist ein Moment der Eintracht, allerdings einer offenen und unversöhnten und vielleicht auch einseitigen. Der Autor: Martin Brinkmann.

Robert Louis Stevenson Freundschaft am Erker Unter den Essays sticht Gerald Funks Plädoyer für Robert Louis Stevenson hervor. Funk wehrt sich gegen die Auswüchse des psychologischen Romans, der die so genannte Hochkultur des 20. Jahrhunderts dominiert hat, gegen “verquälte Innenansichten monomaner Exzentriker, wortreiche Psychogramme hirn- und sprachgeschädigter Kleinkrimineller, sprachlich und narrativ ritualisierte Untergänge Gescheiterter, Selbstmörder voller intellektueller Überheblichkeit, Terroristen aus Menschenliebe, feingeistige Mörder aus Altruismus, sensible Dreckskerle, die das Leben der Frauen aus Liebe zur Hölle machen”. Stevenson führt uns dagegen durch die Welt, flott und spannend. Den Eskapismus der Gequälten, die die Verständnislosigkeit ihrer Mitwelt in unverständlichen Wortschwällen anklagten, darf man fürs Erste auf sich beruhen lassen.

Von mir ist ein Gedicht im Heft enthalten, “Spaarnwoude”, im Gedenken an einen toten Freund — Erinnerung an die letzte Begegnung, bei der Freund schon wusste, dass er kurz danach sterben würde, und nun die Selbstermahnung, mit dem Verlust umzugehen. Acht Zeilen — denn dieser konkrete Freund hatte was gegen nutzlose Redseligkeit.

Sie können das Heft über die Webseite der Zeitschrift bestellen. Die €9,00 für das Einzelheft sind gut angelegt!

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