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George und Grönemeyer

Gr%C3%B6nemeyer Konzert 300x224 George und Grönemeyer Stefan George, Georg Lukács, Herbert Grönemeyer und Tocotronic wollte ich seit langem in einer Glosse vereinen. Worum geht’s?

Du schlank und rein wie eine flamme

Du wie der morgen zart und licht

Du blühend reis vom edlen stamme

Du wie ein quell geheim und schlicht

So beginnt das letzte Gedicht von Stefan George. Und da gibt es eine dunkle Seite, obwohl das Gedicht so hell ist und schön. Es ist kunstvoll gebaut und feiert einen schönen, vielleicht auch selbst gut gebauten Menschen. Er ist schlank (das kennen wir) und rein (das verwirrt uns). Auch die nächsten Zeilen sind eigenartig in ihrer Mischung aus Fremdem und Bekanntem. Die meisten von uns haben schon einmal einen zarten Morgen gesehen. Man genießt die klaren Stunden, wundert sich, dass es schon hell ist, wenn man mal besonders früh raus muss, und verspricht sich, das öfters zu tun und zu genießen. Aber dann vergisst man’s und muss von George an den Eindruck erinnert werden. „Geheim“ ist der Angesprochene, aber nicht weggesperrt oder kompliziert, keine Nuss, die man knacken muss, sondern unvertraut und doch nah, und „schlicht“. Nicht blöd, sondern ohne die Verwerfungen, die andere sich in der Welt von Rolle und Analyse einhandeln. Schlicht naiv? Das wäre eine böswillige Unterstellung, deren Urheber sich selbst zum Maßstab macht.

Das Du ist bei mir, es begleitet mich, es bedeutet mir etwas und regt mich an, und ich kann es spüren. Den Duft, das Atmen eines anderen Menschen wahrzunehmen, ist ein intimer Moment. Er gelingt nur, wenn man einander nah ist und wenn es sonst still ist. Wenige Menschen gestatten einander, sich so zu begegnen.

„Du bist mein wunsch und mein gedanke“. Hier klingt nun schon etwas Anderes an, was mit der dunklen Seite zu tun hat, von der ich sprach. „Ich atme dich mit jeder luft“, das sind einfache, schlichte Worte, die zeigen, wie Einklang herrscht zwischen Sprecher und Angesprochenem. „Ich küsse dich mit jedem duft“. Was bahnt sich hier an?

Da kommen eben Lukács, Grönemeyer und Toco ins Spiel. Und wie das geht, steht hier.

  • Foto vom Konzert am 23. Juni 2011 im Wankdorf Stade de Suisse in Bern, von naturalbornstupid.

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