Jungfrau in Nöten?

Jungfrau in Nöten?

Von Ann Marie Rasmussen Jungfrau in Nöten?

Die „Jungfrau in Nöten“ – wir kennen sie: sie ist nobel, fromm und schön. Aber sie ist auch verletzlich, passiv und abhängig. Sie ist in einer schwierigen Lage, aus der sie sich selbst nicht befreien kann. Daher kommt sie auch nie allein: Sie kann auf die Hilfe des „Retters in der Not“ zählen. Wie sie selbst ist er nobel, fromm und schön – auf eine attraktive, männliche Art und Weise. Aber im Gegensatz zu ihr ist er auch stark, mutig und mächtig. Sie ist nur wichtig als Rettungsobjekt, als Brennpunkt der Stellung und des Wertes des Ritters im patriarchalischen System. Die Jungfrau in Nöten kommt in vielen modernen Texten und Filmen vor, von Die Braut des Prinzen bis zu Monty Pythons Ritter der Kokosnuss (in dieser Satire ist die Jungfrau in Nöten zu einem tuntigen jungen Mann geworden). Solche Bilder zeigen, dass das Mittelalter weiterhin eine zentrale Rolle für unsere kulturelle Identität spielt. Das Erbe der mittelalterlichen Kultur in West-Europa besteht nicht nur in unseren Institutionen fort, sondern prägt auch die moderne Fantasie und populäre Kultur, das sieht man an Spielen wie World of Warcraft genauso wie an den zahlreichen neuen Versionen des Artus-Mythos.

Was sagen uns mittelalterliche Quellen über die Realität, die diesen Bildern zugrunde liegt? Wurden Frauen im Mittelalter tatsächlich von einem patriarchalischen Unterdrückungssystem in Abhängigkeit gehalten? Mit anderen Worten: Waren die Jungfrauen wirklich in Nöten?

Wenn wir diese Frage beantworten wollen, müssen wir einen Blick auf die Fortschritte werfen, die die mediävistische Forschung in den letzten zwanzig Jahren gemacht hat. Was wir dort finden, ist in der Öffentlichkeit bisher nicht wahrgenommen worden, hat aber zur Folge, dass so gut wie alle Erzählungen, Bilder und Annahmen hinsichtlich des Mittelalters, die den verbreiteten Filmen und literarischen Werken zugrunde liegen und die das moderne Bewusstsein prägen, revidiert werden müssen.

Ann Marie Rasmussen nimmt diese Revision in einem mutigen und gescheiten Beitrag vor, der in der Ausgabe Juli 2009 der Zeitschrift MERKUR erschienen ist: “War die Jungfrau wirklich in Nöten? Neue Forschungen zur Rolle der Frau im Mittelalter”.

Mehr Infos auf der Merkur-Webseite.

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