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Edgar Bowers

EB 232x300 Edgar Bowers

The Astronomers of Mont Blanc

Who are you there that, from your icy tower,
Explore the colder distances, the far
Escape of your whole universe to night;
That watch the moon’s blue craters, shadowy crust,
And blunted mountains mildly drift and glare,
Ballooned In ghostly earnest on your sight;
Who are you, and what hope persuades your trust?

It is your hope that you will know the end
And compass of our ignorant restraint
There in lost time, where what was done is done
Forever as a havoc overhead.
Aging, you search to master in the faint
Persistent fortune which you gaze upon
The perfect order trusted to the dead.

Die Astronomen vom Mont Blanc

Wer seid ihr dort, daß ihr vom turm aus eis
Die kalten fernen untersucht, die flucht
Von eurem ganzen all in weite nacht,
Des mondes blaue krater, schattenhaut,
Und flacher berge milde drift und glut
Gebläht in grausem ernst, den ihr bewacht?
Wer seid ihr, lenkt euch hoffnung, der ihr traut?

Die hoffnung ist es, richtung einst und ziel
Von unsrer unbedarften scheu zu sehn,
Verlorn in zeit, wo was getan noch harrt,
Uns als verheerung ewig übersteigt.
Meistern wollt ihr im dauernden geschehn,
Das fahl ist und auf das ihr alternd starrt,
Die große ordnung, toten nur gezeigt.

  • Edgar Bowers: Collected Poems. New York: Knopf 1999, S. 109. Deutsche Übersetzung von Christophe Fricker.
  • Bowers auf Deutsch unter anderem in Sinn und Form und Castrum Peregrini. Außerdem habe ich im Merkur über Edgar Bowers geschrieben.

Das Geheimnis des Bewußtseins

Bowers’ Dichtung ist geheimnisvoll und beschäftigt sich mit dem Geheimnis unseres Daseins in der Welt. Bowers liebte die Vernunft, weil er glaubte, daß sie unsere beste Möglichkeit sei, ein zivilisiertes Leben zu leben – und nicht weil er dachte, daß sie das Rätsel unserer Existenz lösen kann. Seine Gedichte evozieren beständig solche Rätselhaftigkeit und die unzureichenden Versuche des Geistes, mit ihnen klarzukommen. Wäre er in einer früheren Zeit geboren, wäre aus ihm mit ziemlicher Sicherheit ein religiöser Dichter geworden, vielleicht ein amerikanischer George Herbert. Er wurde presbyterianisch erzogen, scheint aber seinen Glauben, falls er ihn je hatte, früh verloren zu haben. Trotzdem entstanden einige seiner frühen Gedichte in Auseinandersetzung mit der religiösen Version jener Probleme, die ihn ein Leben lang umtrieben.

In seinem späteren Werk artikulierte sich der Sinn für das Mysterium in weltlicherer, (im Doppelsinn) menschlicherer Sprache, wie in diesem Ausschnitt aus dem Zyklus ‘Autumn Shade’:

Wenn ich dich bitte, engel, kommst du dann und bringst
Zur sprache diesen schmerz, und führst mich wie ein kind
Zum aufruhr? Aus einer weiten zeit kommst du,
Ewig jung, versprechen von fernen, schmerz,
Den ich im abendrot bemerk, ich seh dich fliehn
Aus wipfeln und aus feldern. Rätselselbst,
Ein bild des sagenhaften andern, noch
Im schlaf rufst du mich auf, noch dann,
Wenn unter seinem eignen baum Odysseus hört,
Was ihm geschah und was geschehen wird, unglaubliches,
Das weisheit flüstert, aber eine weisheit, die sich tarnt.

Hier wird der Grund für das emotionale und intellektuelle Unbehagen am Leben im menschlichen Selbst gesucht und gefunden, das auf die unverstandenen Kräfte zu antworten versucht, durch die es ins Leben gestellt wurde.

‘Autumn Shade’ bildet den Abschluß von The Astronomers, und mit ihm setzt Bowers’ Altersstil ein. Von nun an waren viele Gedichte, wie auch ‘Autumn Shade’ selbst, in so geschmeidigen wie beziehungsreichen Blankversen geschrieben, in langen komplexen Sätzen (deren grammatische Struktur oft kaum durchschaubar ist), die eine Stimmung vorsichtiger, sorgfältiger Besinnung hervorrufen, dabei aber unendlich offen für die Implikationen und die Vielschichtigkeit des jeweiligen Themas bleiben. Bowers kann als einer der Meister des Blankverses gelten. Denn er hat die Ausdrucksmöglichkeiten dieser Form neu geprägt, und seine Leistungen sind so stilbildend wie die von Milton, Wordsworth oder Frost. Ab The Astronomers wird diese Form auf unvergeßliche Art und Weise in Meditationen individueller Lebensläufe verwandt, in Gedichten voll anschaulicher, sprechender Details, wie sie zuvor fehlten.

  • Auszug aus dem Nachruf von Dick Davis auf Edgar Bowers, erschienen in der Juli/August-Ausgabe der Zeitschrift Poets & Writers.

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