Joshua Mehigan
The room was hushed. His eyes had dried.
Still, bad thoughts brightened in the dark.
Light faded in, but that light lied.
Each breath was like a grave remark.
His vision warmed as, evil-starred,
he faced his parents’ door again,
but this time no one let him in.
His worry made him listen hard.
He nudged the door, then slipped inside
and saw his father’s broad, pale back.
The shuddering bed frame seemed to crack
beneath a sound of homicide.
By one o’clock his dad had come
to tuck him in. His mother’s face
haunted the doorway like a trace
of phosphor dimming on the thumb.
It was a dream, his father said—
a lie the hush might underscore.
He let the murderer kiss his head,
and then he nodded to the whore.
Nach einem Albtraum
Das Zimmer still, sein Blick nun leer.
Im Dunkel glomm das Unheil noch.
Licht, das nur Lüge war, schlich her.
Sein Atmen klang schwer wie ein Doch.
Dann an der Tür der Eltern stand
Er wieder, sah fast seine Pein.
Doch diesmal ließ ihn keiner ein.
Er horchte, voller Furcht, gespannt,
Tippte die Tür an. Drinnen sah
Er Vaters Rücken, bleich und schwer.
Das Bett erbebte immer mehr,
Schien fast zu bersten. Mord war da.
Sein Papa kam und brachte ihn,
Um eins, zurück ins Bett. Im Flur
Blieb Mutters Blick wie eine Spur
Von Phosphor, die rasch schwächer schien.
Ein Traum war’s, sagte Vater schlicht.
Er log, das zeigte seine Ruh.
Der Mörder küßte sein Gesicht,
Dann nickte er der Hure zu.
- Joshua Mehigan: The Optimist, Athens, OH: Ohio University Press, 2004, S. 44. Deutsche Übersetzung von Christophe Fricker.
- Mehigan auf Deutsch unter anderem in den Akzenten, in Zeichen & Wunder und in der Zeitschrift Krachkultur (Heft 13, 2010). Außerdem habe ich im Merkur über Joshua Mehigan geschrieben.
Meeting Mehigan
Joshua Mehigan sagt, er wollte das Dichtersein vor einigen Jahren aufgeben. Zu wenig gelang, zu mühsam war es, und niemand interessierte sich. Als er das seinem Freund, dem Dichter Dick Davis, am Telefon klagte, waren schon zwei Briefe unterwegs: ein Verlagsvertrag für einen Gedichtband, der kurz darauf unter dem Titel The Optimist erschien, und die Benachrichtigung, daß ihm dafür der Hollis-Summers-Preis zuerkannt wurde. So ging es für ihn als Dichter weiter. Der Gedichtband ist düster, die meisten Menschen sind erschreckende, gefährliche Figuren. Selbstmord, Terror und zwischenmenschliche Achtlosigkeit bestimmen die Motive. Kritiker loben die Gleichzeitigkeit von Brutalität im Dargestellten und Konzentration in der Darstellung, die stille Brillanz der Sprache, ihre unbezweifelbare Kraft. Gangart und Tonhöhe überzeugten in Gedicht auf Gedicht, schreibt John Hollander, und Adam Kirsch erklärt in der Contemporary Poetry Review, Joshua Mehigans Gedichte zeigten auf eine tiefe und direkte Art Verständnis für menschliche Traurigkeit; „wenige amerikanische Dichter, ob sie jung sind oder alt, scheinen so viel erfahren zu haben.“ Sauber, streng, hart, solche Attribute kehren in den Besprechungen immer wieder. Diese Eigenschaften sind in der Tat an fast jeder Zeile ablesbar. Optimistisch ist jedenfalls nichts an diesem Band.
„Ich mag keinen Humor in Gedichten“, sagt Josh lakonisch.
Beim Vietnamesen im New Yorker Greenwich Village unterhalten wir uns. Josh gibt mit nachlässiger Bescheidenheit Auskunft, sprunghaft. Seine Freundin Talia strahlt Zuversicht aus. Er interessiere sich ja eigentlich für Physik. Da sei noch was zu entdecken. Mathematiker müsse man sein, allein schon wegen der Klarheit. Ob ich viel ins Kino gehe? Sie beide sehen jede Menge Filme, das könne man gut zu zweit. Ohne daß ich danach frage, sagt Josh, er treffe nur selten andere Menschen als seine engen Freunde. Bei den meisten, denen er begegne, habe er nach kurzer Zeit das Gefühl, daß irgend etwas an ihnen auf grauenvolle Weise nicht stimme. Er sagt es lächelnd, sodaß man diese Menschen im Geiste gleich vorwurfsvoll fragt, warum sie sich nicht zusammenreißen können. Oder meint er etwa auch schon mich? Offenbar nicht, aber ich beschließe, diese Möglichkeit nicht aus den Augen zu lassen. Einige Wochen nach unserem Treffen schickt er, unkommentiert, eine Liste mit 100 Filmen, die ich unbedingt sehen müsse.
- Auszug aus meinem Porträt von Joshua Mehigan, abgedruckt in Larkin Terminal — Von fremden Ländern und Menschen.




