Aufenthalte » Archiv
Cottbus, Potsdam, Halberstadt
Drei Städte im Herbst. Vor Jahren eine Ausstellung mit Bibel-Illustrationen von Chagall in Cottbus. Ich war zu Besuch bei Freunden, hatte den Tag über, als sie arbeiteten, nichts zu tun und probte im Konservatorium Klavierstücke des weithin unterschätzten polnischen Komponisten Karol Szymanowski. Lyrische Intensität, harmonischer Wagemut, das Verglühen einer Epoche, das Verschwinden, das immer noch greifbar ist, spielbar. Aber nicht stundenlang, ich ging also zu Chagall. Besonders beeindruckte mich die Zeichnung eines Engels, nur wenige Striche, und etwas Gelb. Schon sind nicht mehr Striche zu sehen, sondern das Gesicht eines Engels taucht aus der Seite auf und schwebt hier im Osten Deutschlands, an der polnischen Grenze vor mir. Ein Engel. An dem Oktobersonntag wart ihr beschäftigt. Ich sah in einer kleinen Ausstellung Chagalls Engel. Einige gelbe Linien und ein Lächeln. Ich erinnere mich an … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Gedicht
Die Gabel abgeben
Von Johanna Schuster-Craig “Rubin argumentiert: ‘Die neuere sexualwissenschaftliche Forschung hat sexuelles Verhalten vergeschichtlicht und eine konstruktivistische Alternative zu sexuellem Essentialismus geschaffen. Die entsprechenden Untersuchungen beruhen auf der Annahme, dass Sexualität gesellschaftlich und historisch konstituiert und nicht biologisch verfügt wird.’ Im Folgenden möchte ich diese konstitutiven Konstruktionalismen untersuchen.” Gayle Rubin ordnete ihr denkendes, sexuelles Universum mit Hilfe von Linienzeichnungen von Backstein-Mauern und Tortendiagrammen. Bewegliche Wände gerader Steine und Stücke vom Sex/Gender-Käsekuchen. Greif ordentlich zu, kaue, schlucke, und hol dir dann noch mehr. Brich dir einen Zahn ab, wenn du versuchst, einen Backstein zu kauen. Wenn du ihn ausspuckst, bekommst du: eine Million Kontakte und einen Mund, der anfängt zu bluten. Denken ist eine Backstein-Mauer. Sex ist ein Kuchen. Gender ist ein Polo-Hemd. Ein Polo-Hemd, dessen Ärmel zu lang und zu weit sind, der Kater nach einem … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Johanna Schuster-Craig
Jungfrau in Nöten?
Von Ann Marie Rasmussen Die „Jungfrau in Nöten“ – wir kennen sie: sie ist nobel, fromm und schön. Aber sie ist auch verletzlich, passiv und abhängig. Sie ist in einer schwierigen Lage, aus der sie sich selbst nicht befreien kann. Daher kommt sie auch nie allein: Sie kann auf die Hilfe des „Retters in der Not“ zählen. Wie sie selbst ist er nobel, fromm und schön – auf eine attraktive, männliche Art und Weise. Aber im Gegensatz zu ihr ist er auch stark, mutig und mächtig. Sie ist nur wichtig als Rettungsobjekt, als Brennpunkt der Stellung und des Wertes des Ritters im patriarchalischen System. Die Jungfrau in Nöten kommt in vielen modernen Texten und Filmen vor, von Die Braut des Prinzen bis zu Monty Pythons Ritter der Kokosnuss (in dieser Satire … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Ann Marie Rasmussen
John Donne, neu auf deutsch
Timothy Steele sagt, John Donne “goes up to eleven” (siehe Spinal Tap), und Brodsky sagt, die neuere englische Dichtung habe Donne “alles” zu verdanken. Wolfgang Helds neue Auswahlübersetzung macht den metaphysischen Dichter greifbar. Helds Übersetzung entscheidet sich für Reim und Metrum, und das ist auch gut so, auch wenn Donne selbst mit den Metren auf Kriegsfuß stand. Ein ausgeprägtes Bewusstsein von metrischen Tücken und Subtilitäten beweist Held etwa mit einem wohlgesetzten Spondeus auf „vorsichtig“ im Gedicht „Bettzeit“. Den Reim auf „Herz“ umgeht Held souverän, eine schöne Tat ebenso wie „Geist / dreist“ im selben Gedicht. „Testament“ ist am besten gelungen. In diesem rabiaten oder, um es mit Björn Kuhligk zu sagen, ‚rotzigen’ Gedicht schlägt Held zielsicher über die Stränge, und der Donne-Sound kommt richtig ins Rollen. Meine Rezension auf www.literaturkritik.de. … Den ganzen Artikel lesen »
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Timothy Steele im Poetenladen
Fünf Gedichte von Timothy Steele sind jetzt zusammen mit meinen Übersetzungen auf der Webseite des Poetenladen erschienen, darunter seine witzige “Kurze Geschichte des Poststrukturalismus” und die melancholische Ballade “Frau mittleren Alters”. Andreas Heidtmann, Herausgeber des Poetenladen, hat auch wieder Links zu den Büchern des Autors eingefügt, die bei Amazon zu kaufen sind. Vielen Dank auch wieder an David Sanders und Judy Wilson von Ohio UP / Swallow Press für die effiziente Zusammenarbeit! Der direkte Link ist hier. … Den ganzen Artikel lesen »
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Einfachheit
Die Frankfurter Zeitschrift Zeichen & Wunder, inzwischen im bewundernswerten 20. Jahrgang, widmet ihr aktuelles Heft dem Thema “Sehnsucht Einfachheit”. Drei Essays und eine schöne Auswahl an Lyrik und Prosa schreiten den Ambitus des Themas aus. Sorgfältig gesetzt und gedruckt, mit einem neuen, kräftigen Umschlag ist die Zeitschrift ein Sammlerstück. Von mir dabei: Gedichte von Dick Davis, Timothy Steele und Joshua Mehigan in einer neuen Übersetzung, mit einer winzig kleinen Einleitung in die metrische Dichtung der amerikanischen Gegenwart. Bestellbar ist das Heft für 8 Euro unter der Adresse bruntraeger@web.de. Foto von Marie Isabel Schlinzig. … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: New Formalists
Baltonsborough
Ein kleiner Ort in Somerset mit einer klangvollen Orgel in der Kirche, St Dunstan’s. Nach einem langen Nachmittag, an dem Hilde dort Orgel gespielt hat, habe ich ein Gedicht über den Tag geschrieben, das jetzt auf meiner Seite im Poetenladen erschienen ist. Der direkte Link dazu ist hier. … Den ganzen Artikel lesen »
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John Updike: “Requiem” auf deutsch
Hans Thill ediert im Poetenladen eine Reihe mit Gedichten von vor kurzer Zeit verstorbenen Dichtern. John Updikes Requiem, das ich für den Berliner Tagesspiegel (hier) übersetzt habe, ist hier nachgedruckt. … Den ganzen Artikel lesen »
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Tom Nolan im Poetenladen
Tom Nolans Gedichte sind dunkel, stark und elegant. Ihr Autor war ein Jahrzehnt lang arbeitslos (Zeit zum Schreiben, zum Sehen?), hat ein Jahrzehnt lang in verschiedenen europäischen Ländern gekellnert (siehe das Gedicht über zuviel Kaffee schon am frühen Morgen) und sich dann zum Literaturstudium entschlossen: Oxford, Princeton, und nun Promotion in Cambridge. Nicht schlecht. Aber die Dichtung spricht für sich. Die Gedichte und weitere Infos stehen hier. … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: New Formalists
Alltag
Johannes Frank gebührt alles Lob für seine deutsch-jüdische Literaturarbeit im Rahmen des Projekts Alltag. Das entsprechende Heft der Zeitschrift Belletristik ist ja schon eine Weile raus, aber man hört, daß es weitergeht. Das ist eine gute Nachricht für alle Beteiligten. Von mir im Heft eine kleine Prosa namens “Kajak und Kaffee” — meine erste… Das Heft kann hier bestellt werden. … Den ganzen Artikel lesen »
Veröffentlicht unter: Prosa




