Mit seiner Mischung aus Neugier, Demut, menschlicher Aufgeschlossenheit und Treue zu den von ihm als gültig anerkannten Maßstäben wird er sich überall behaupten – auch in der deutschen Literatur der Gegenwart, die er auf seine feine, kluge Weise eminent bereichert. Tilman Krause in der Tageszeitung Die Welt am 30. Januar 2010.
Larkin Terminal. Von fremden Ländern und Menschen (2009) versammelt ein Dutzend ebenso tiefsinniger wie erfrischender literarischer Reportagen. [Am 16. November veröffentlichte die Online-Ausgabe der Zeitung DIE ZEIT unter dem Titel “Lyriker klagen gern” ein Interview aus Anlaß der Zuerkennung des Hermann-Hesse-Förderpreises und des Erscheinens von Larkin Terminal. Das ganze Interview gibt es hier.]
Christophe Fricker [...] hat in Freiburg, Singapur, dem kanadischen Halifax und dem britischen Oxford studiert. Auch sonst hat er zwischen Namibia und Myanmar kaum eine Gelegenheit ausgelassen, die Welt zu erkunden. Davon zeugen die nervös flirrenden Reiseessays seines nach einem malaysischen Busbahnhof benannten Bandes Larkin Terminal.
Zu Recht muss man dabei auch an den großen englischen Dichter Philip Larkin denken. Fricker hält sich gerne an Gedichte, schließlich hat er selbst mit Das schöne Auge des Betrachters Lyrik geschrieben. „Mein rotes Notizbuch liegt vor mir und fragt mich, wie es mir geht“, heißt es in einem der Essays. „Eine Mischung aus Faulheit, Vertrauen und Befriedigung macht meine Gegenwart aus, und über die Zukunft mache ich mir keine Gedanken: Sie ist der nächste Ort.“ Wo wird er sein? Rezensionsnotiz in der Tageszeitung Der Tagesspiegel am 7. Februar 2010 und in den Potsdamer Neuesten Nachrichten am 9. Februar 2010.
War die Moderne auf Bruch und Demontage der Tradition aus, bieten Christophe Frickers Gedichte Denkanstöße zu Sinnfindung und Halt. Dorothea von Törne in der Tageszeitung Die Welt am 11. April 2009.
Das hätte man sich in einem großen Verlag vorstellen können. Jeder Text unterfüttert mit dem Nachdenken über das Unterwegssein, Fremdsein und den Ort, der sich als Heimat definiert. Die Texte stecken volle kleiner, nüchterner Beobachtungen, etlichen aufmerksam beobachteten Szenen, da und dort sogar Anekdoten – alles Dinge, die verraten, dass Fricker zwar oft sehr nachdenklicher, aber doch genauer Beobachter ist. Einer, der noch auf der Reise den ganz großen Bogen schlägt und mit dem Dichter Dick Davis über das Ende der Reise philosophiert. Und so passiert das Wohltuende: Die fremden Länder und Menschen werden vertraut, aber nur, weil Fricker die Distanz und das Fremdsein gelten lässt. Er versucht nicht, die mitgebrachten Erklärungsmuster über alles zu legen, spielt nicht den Experten oder den Welt-Erfahrenen. Er lässt die kleine Angst zu, das Andere eben doch nicht richtig zu verstehen. Er bleibt Reisender und interpretiert die Freundlichkeit des Bushafen-Personals nicht als Aufhebung der Distanz. Mal ein Reise-Buch ohne nervende Allwissenheit. Das tut gut. Ralf Julke in der Leipziger Internet-Zeitung, 7. Januar 2010.
Unterkühlte Ironie schwingt in Frickers Episode aus dem College in Oxford mit. “Weinprobe und Abendmahl” spiegelt britisches Zeremoniell in Small Talk, Gläserposition und professoralem Lob für den Tischplan. Ziel der Übung am High Table und drumherum ist die “unterbetonte Souveränität” britischer Lebensart. So reizvoll eben sie kennenzulernen, so verstummt doch nicht die Frage des Autors: Wie viel “weiß ich eigentlich über die Länder, die ich in den letzten Jahren gestreift habe”? Kann er sich der Unwissenheit Mitreisender über Geschichte und Gegenwart Deutschlands denn überlegen fühlen? Es sind die Fragen, die er stellt, die Christophe Fricker auszeichnen.Viola Bolduan im Wiesbadener Kurier, 19. Dezember 2009.
“Larkin Terminal”, so heißt eine Überlandbus-Station in Malaysia – ein Titel also, der für das Reisen, den kurzen Moment der gemeinsamen Erfahrung steht. Wunderbar beobachtet, mit melancholischem Ton und bilderreicher Sprache kreist Fricker die kleinen und großen Schlüsselszenen ein, die ganze Lebensentwürfe enthalten können. Mit feiner Ironie nähert er sich dabei auch seiner Heimatstadt: “Frankfurt hat Banken, Wiesbaden hat Bänke.” Birgitta Lamparth im Wiesbadener Tagblatt, 5. Dezember 2009.
“Wirklich erstaunlich überzeugende Bilder, die der junge Mann mit seinen Gedichten erzeugt. Man wird noch von ihm hören” — die Heidelberger Dichterin Hilde Domin war sich schon 2004 sicher, dass Christophe Fricker Potential bietet. M. T. in der Rhein-Neckar-Zeitung, 26. November 2009.
Wie die Protagonisten Hermann Hesses, so ist Fricker unterwegs auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Reisens. Klug hat er seine Essays angeordnet, denn immer mehr scheint der Reisende zur Ruhe zu kommen, sich im Unterwegs-Sein selbst zu finden. Ganz bei sich selbst ist Christophe Fricker, wenn ihn Gedichte begleiten, etwa bei seiner Reise zu dem Lyriker Dick Davis, “um Metren zu lernen, die ich in meinen eigenen Gedichten zur Sprache bringen will.” Und so zitiert der polyglotte, sich an der Weltliteratur orientierende Christophe Fricker, den amerikanischen Lyriker: “Mit jedem Gedicht versuche ich, es besser zu machen. Eine Erfahrung noch wahrhaftiger zu bewahren. Aber es gelingt nie ganz. Die Dichtung ist zu groß, zu weit über uns. Es bleibt immer ein Rest von Unehrlichkeit gegenüber dem, was ist, was war und was sein kann.” Matthias Kehle in den Badischen Neuesten Nachrichten, 26. November 2009.

Ein anderer Tonfall, dachte ich, eine gewisse Leichtigkeit hat diese Lyrik. Fricker ist für mich ein Talent, soweit ich das nach der Lektüre der wenigen Gedichte beurteilen kann. Ich bin mal auf seine Entwicklung gespannt. Der Lyrik-Blogger Matthias Kehle.

Der reine Poesie-Ertrag aus der Bestandsaufnahme “Lyrik von jetzt zwei” besteht aus nur wenigen Stimmen, die von einer eigenen poetischen Gangart künden (Daniela Danz, Norbert Lange, Nadja Küchenmeister, Steffen Brenner, Christophe Fricker, Sabine Eschgfäller) – auf sie gilt es künftig zu achten. Carola Wiemers im Deutschlandradio Kultur am 9. Oktober 2008.
Christophe Fricker unternahm erste eigene schriftstellerische Schritte, “weil ich viel gelesen und dabei gesehen habe, wie Dichtung und Sprache helfen, mit der Welt zurecht zu kommen. Es ist eine ganz pragmatische Funktion, die Literatur hat.” Neben seiner Promotion unterrichtete er literarische Seminare und Sprachkurse – und blieb seiner Redakteurstätigkeit bei Castrum Peregrini bis September 2006 treu: Dann wechselte der Literaturwissenschaftler nach Übersee an die renommierte Duke-University in North Carolina, wo er Deutsch- sowie Literatur-Kurse gibt und als Redakteur der Fachzeitschrift German Quarterly aktiv ist. Nebenbei übersetzt er aus dem Englischen, so ist im Oktober in Deutschland der Band Living Together mit Werken von Edgar Bowers, Dick Davis und Timothy Steele in Frickers Übersetzung erschienen. Julia Anderton im Wiesbadener Kurier, Januar 2007

