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Stefan George nach der Odenwaldschule

 Stefan George nach der Odenwaldschule
In den vergangenen Wochen sind Missbrauchsfälle an einigen der angesehensten deutschen Bildungseinrichtungen bekannt geworden. Diese Institutionen waren teils genau deshalb so angesehen, weil Lehrer dort ein enges persönliches Verhältnis zu ihren Schülern aufbauten. Kleine Klassen, Betreuung nicht nur im Unterricht, Ausrichtung des Unterrichts an einem Menschenbild und nicht nur an Leistungsstandards — dies galt als ihre Stärken. Das Verhältnis von Lehrenden zu den mit ihnen Lernenden ist unvermeidlich ein persönliches. Es findet im Rahmen eines definierten Rechtsraumes an verfassten Institutionen statt, aber es ist durch Regeln und Richtlinien nie ganz zu steuern. Der Verlauf eines Gesprächs, innerhalb oder außerhalb des Klassenzimmers, ist, auch beim klarsten Regelwerk, kaum voraussehbar. Alle Lehrenden bringen täglich den Mut auf, sich auf die Fragen und Interessen, auf die Bedürfnisse und Idiosynkrasien ihrer lernenden Mitmenschen einzulassen. Gleichzeitig vertrauen Schülerinnen und Schüler darauf, dass sie sich in einer Umgebung befinden, in der sie in ihrer Würde anerkannt und verstanden werden. [...]

Alle, die in Bildungseinrichtungen lehren und lernen, sind neben klaren, durchgesetzten Regeln auch auf menschliche Vorbilder und Leitworte angewiesen, die sie in ihrer Hoffnung bestärken, dass sich Orientierung und auch Wissen nur im vertrauensvollen Gespräch vermitteln lassen.

Ein Werk, das jahrzehntelang diese Hoffnung maßgeblich getragen hat, ist das von Stefan George. Es hat in Jugendbewegung und Jugendhilfe, in universitärer Lehre und schulischem Unterricht die Freude an der Reichhaltigkeit menschlicher Erfahrung zur Sprache gebracht. Es hat die Schönheit des nicht steuerbaren Augenblicks gegen die Prokrustes-Tendenzen von Wirtschaft, Militär und Verwaltung geltend gemacht. Auf dem Werk Georges, der der Reformschulbewegung kritisch gegenüberstand, liegt nun ein Schatten. In einer Sonntagszeitung wurde darauf hingewiesen, dass viele Lehrer der Odenwaldschule eifrige George-Leser waren. Alte Männer putzten sich ihre klebrigen Finger an den Seiten seines Gedichtbands „Der Stern des Bundes“ ab.

Welt Logo1 Stefan George nach der Odenwaldschule Ist Päderastie wirklich das, wozu Georges Werk aufruft?

Und wie lassen sich Vertrauen und Verantwortung im Unterricht wieder herstellen?Diese Fragen kommentierte Christophe Fricker in einem Beitrag für DIE WELT am 3. April 2010.

Der vollständige Text ist hier nachzulesen.

Am 6. April erschien in diesem Zusammenhang ein Interview mit dem George-Biographen Thomas Karlauf in der FAZ. Mit Bezug auf sein Buch nimmt er Stellung zu Georges Sexualverhalten und zur Frage, wie dieses in der heutigen Öffentlichkeit zu diskutieren ist. Er geht dabei auch auf seine Zeit im CASTRVM PEREGRINI ein.

Mehr zum Thema:

    George Dichtung Ethos Staat Stefan George nach der Odenwaldschule Dieser Sammelband enthält grundlegende Erörterungen zur Ethik bei Stefan George, zum Verhältnis des Menschen zur Natur und zur Bedeutung der europäischen Überlieferung.

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  • Foto von http://www.flickr.com/photos/devnull/ / CC BY-SA 2.0

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