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Das schöne Auge des Betrachters

Das schöne Auge des Betrachters Gedichte über Freundschaft und das Unterwegssein

Freundschaft in Zeiten von Mobilität und Netzwerken ist eine heikle Sache, aber unverändert schön. In meinen Gedichten und meinen Reise-Essays über Orte in Amerika, Europa und Asien spüre ich ihr nach. Ich selbst betrachte Heimat leider als den Ort, wo ich die Reihenfolge der Ampelschaltungen an großen Kreuzungen kenne. Meine Gedichte sind meist metrisch und viele tragen Widmungen (wer mich trifft, läuft schon Gefahr, bewidmet zu werden). Das schöne Auge des Betrachters verbindet Welt und Wahrnehmenden immer neu.

Das schöne Auge des Betrachters ist ein Band, der fünfunddreißig Gedichte versammelt, einfühlsam illustriert von Timothy J. Senior und sorgfältig ausgestattet von Johannes Frank, einem jungen Verleger in Berlin.

Das Buch enthält Zeilen zu Freundschaft und Entwurzelung, Mythen und Alltägliches, schmerzhaft Schönes und aufreibend Ungereimtes. Szenen und Namen, die im Lauf der Jahre bedeutsam waren, und die unsere Bahn bestimmt haben. Manches ist neu, vielleicht sogar überraschend. Freiburg und Kanada tauchen auf, meine Asienreise, Kunst, die mich bewegt hat (Anselm Kiefer etwa), und liebe, liebste Menschen.

Für mich ist Lyrik eine Form der Kommunikation und eine Manifestation des Erinnerns, des Gedenkens. Ich möchte, daß meine Gedichte verständlich sind, dem Leser etwas sagen, und daß sie das Gedächtnis an intensive Momente und prägende Begegnungen wachhalten. Gedichte sind Zwischenmenschliches, sie sollen Verbindungen erhalten und erneuern.

Lesereise

Lesung Christophe Fricker TübingenAuf einer Lesereise Lesung Christophe Fricker Heidelberg im Sommer 2008 wurde das Buch im Fraenger-Salon in Potsdam, in der Galerie Melnikow in Heidelberg und im Rahmen des Literaturprogramms im Tübinger Kunsthaus vorgestellt. Eine weitere Lesung fand in geselligem Rahmen in Würzburg statt. Mit dabei waren auch andere Autoren des Verlagshauses J. Frank, nämlich Dominic Angeloch, Dimitris Lyacos und Johanna Melzow sowie der Verleger selbst.

Hermann-Hesse-Förderpreis 2009

Hermann-Hesse-Förderpreis 2009In festlichem Rahmen wurden am 26. November 2009 in Karlsruhe der Hermann-Hesse-Preis und der Hermann-Hesse-Förderpreis verliehen. Diesen erhielt Das schöne Auge des Betrachters. Professor Dr. Hansgeorg Schmidt-Bergmann hielt die Laudatio. Die Abbildung links zeigt Hansgeorg Schmidt-Bergmann, Christophe Fricker, Hauptpreisträger Alain Claude Sulzer und Karlsruhes Oberbürgermeister Heinz Fenrich. Die Jury schrieb: „In bewusster Anknüpfung an die Gedankenlyrik Stefan Georges“ sprächen Frickers Texte „von Freundschaft und Liebe, kurzum von den Erschütterungen des Herzens in einer Zeit, in der für schöne Seelen wenig Platz ist“. Die Jury lobte Fricker als „hellen Beobachter“, der in „kontrastreichen Denkbildern in musikalischem Duktus und von bilderreicher Wucht die Gefühlskultur stets im Widerstreit mit dem schnöden Materialismus der Epoche“ zeige. Puh. Wow …

Ausstellung an der Duke University über das Buch und Timothy J. Seniors Illustrationen

Ausstellung Duke University Das schöne Auge des Betrachters Im International and Area Studies Bereich von Bostock Library an der Duke University war ab Januar 2009 eine dem von Andrea Schmidt ausgestatteten und von Timothy J. Senior illustrierten Buch „Das schöne Auge des Betrachters“ gewidmete Ausstellung zu sehen. Die Ausstellung zeigte das Buch als Prozess: Photos dokumentierten Ereignisse und Personen, auf die sich einzelne Gedichte beziehen. Es folgten Manuskript-Skizzen und Korrekturen, Skizzen der verschiedenen Übersetzer der Gedichte, sodann Entwürfe zu den Illustrationen. Schließlich wurde die Produktion des Buches dokumentiert: alternative Cover-Entwürfe, Werbematerialien und am — vorläufigen — Ende einer der Lesungen, auf denen das Buch vorgestellt wurde.

Im unteren Teil der Vitrine waren drei Bücher zu sehen, die die Gedichte inspirierten: Eine frühe Ausgabe der Sänge des fahrenden Spielmanns von Stefan George, ein Band aus der Stuttgarter Hölderlin-Ausgabe und die Gesammelten Werke von Edgar Bowers.

 

Rezensionen

In der Tageszeitung Die Welt besprach Dorothea von Törne Das schöne Auge des Betrachters. Sie schrieb unter anderem: „Die Gedichte setzen den Banalitäten der Gegenwart Ideen und Werte entgegen, die fremd wirken, weil sie seit der Romantik vergessen schienen. War die Moderne auf Bruch und Demontage der Tradition aus, bieten Christophe Frickers Gedichte Denkanstöße zu Sinnfindung und Halt. Der Autor, der heute an der Duke University/USA lehrt, geht dem Verhältnis von erotischer Anziehung und Sprache nach. Frickers Verse bedenken episodisch, in Sentenzen und sparsam eingesetzten Als-ob-Simulationen die Chancen sinnerfüllten menschlichen Lebens – eingebettet ins Unendliche und in Gottes Schöpfung. Wie bei den Romantikern scheinen die Grenzen zwischen Freundschaft und Liebe fließend. Herz und Gefühl sind Trumpf, doch bescheint die sinkende Sonne in etlichen Versen betrübliche zeitgenössische Verhaltensweisen. Gesellschaftliche Konventionen sind in oberflächlichen Ritualen erstarrt, in denen Tugenden wie Wahrheitsliebe, Ehrlichkeit und Mut keinen Platz mehr haben. Diese Verse setzen Zeichen gegen beständig dahindümpelnde Schreckensbilder. Der Dichter wehrt sich gegen das Propagieren immer neuer Aufbrüche, die kein wirkliches Neubeginnen einleiten. Fragend kreist er rastlose Erneuerungszwänge ein und Schwindelerregendes, dem es an Tiefe fehlt. Das Paradoxe ist sein Metier. Das lyrische Ich dünkt sich nicht klüger als andere. Immer im Dialog mit einem Du, das stets auch der Leser sein kann, spricht es von eigenen Ängsten, Einsamkeit, Irrtümern und Zweifeln. Fragil erscheinen die zwischenmenschlichen Beziehungen. Fricker übt mit seinem Herzen zugleich den Verstand. Die Einheit von Leib, Seele, Geist und Wissen ist erneut im Gespräch.“

 

„‚Wirklich erstaunlich überzeugende Bilder, die der junge Mann mit seinen Gedichten erzeugt. Man wird noch von ihm hören‘ — die Heidelberger Dichterin Hilde Domin war sich schon 2004 sicher, dass Christophe Fricker Potential bietet.M. T. in der Rhein-Neckar-Zeitung, 26. November 2009.

 

„Ein anderer Tonfall, dachte ich, eine gewisse Leichtigkeit hat diese Lyrik. Fricker ist für mich ein Talent, soweit ich das nach der Lektüre der wenigen Gedichte beurteilen kann. Ich bin mal auf seine Entwicklung gespannt.“ Der Lyrik-Blogger Matthias Kehle.

 

Gedichte über Freundschaft, moderne Mythen, Gedichte über Anselm KieferChristophe Fricker
Das schöne Auge des Betrachters
mit Illustrationen von Timothy J. Senior
Berlin: Johannes Frank, 2008

ISBN 978-3-940249-24-1

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