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Die Mitte in der deutschen Politik

Um uns herum spüren wir es, hören wir es, lesen wir davon: Die Mitte in der deutschen Politik ist weg. Einst fest in unseren Mythos von Gemeinschaft und Gesellschaft eingekerbte Vorstellungen davon, was normal ist – maßvoll, erstrebenswert, was sich gehört – geraten ins Wanken. Die darauf basierenden Einrichtungen, einst von Eliten als Impfung gegen die Wiederkehr gerade überstandener Katastrophen entworfen, gehörten zum Wertefundament einer funktionierenden Gesellschaft. Sie bröckeln: Die Volksparteien verlieren das Volk, die Große Koalition wird klein, die Kirchen werden zu Gremien, die Gewerkschaften sind längst kein Kampfverband mehr, der öffentlich-rechtliche Rundfunk und die überregionalen Zeitungen werden als Lügenpresse verschrieen, die Konzertkultur ist in der Krise.

Was unserer Elterngeneration Hoffnung machte – neue soziale Bewegungen, dezentrale NGOs – wurde entweder zum Opfer des eigenen Erfolgs oder muss ebenfalls um Zustimmung ringen. Denn wo Maß, Mitte und Mainstream, wo Alternativen, Wandel und Wende waren, machen sich Entfremdung und Gewalt(bereitschaft) breit. Die Sozialen Medien – Echokammern in den Händen großer Konzerne, deren gesellschaftspolitische Gestaltungsinstrumente als Geschäftsgeheimnisse gehütet werden – verändern Deutschland, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und andere westliche Nationen, verändern Europa.

Stimmt das alles? Abseits des Kulturpessimismus wollen wir einen analytischen Blick auf die politischen Trends der letzten Jahre werfen und die eben vorgetragenen Thesen überprüfen. Wir wollen fragen: Welche Funktion hat „die Mitte“ als Konzept in der Bundesrepublik Deutschland? Wer definierte sie, und wie groß war sie eigentlich einmal? Und dann: Wie groß ist die Tragweite der aktuellen Veränderungen? In welchen Diskursen äußern sie sich – und wo? Welche Formen der Auseinandersetzung lassen sich beobachten? Welche wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, welche moralischen Überzeugungen und welche Stile und Lebensgefühle kommen zum Vorschein, wenn denn die Mitte schwindet?

Wir befassen uns mit theoretischen Konzepten und Erklärungsansätzen aus Politikwissenschaft und Soziologie sowie mit Fundamental- und Umfragedaten, die einigen von ihnen zugrunde liegen. Wir analysieren konkrete Manifestationen der „alten“ und der kurzzeitig so populären „neuen Mitte“ sowie jener Bewegungen, die sich heute von ihr absetzen, untersuchen Vokabular, Tonfall, Strukturen und Denkfiguren und fahnden nach unausgesprochenen Annahmen.

 

Christophe Fricker BiographyIch habe diesen Kurs oder wesentliche seiner Inhalte schon hier unterrichtet:

 

Gern bespreche ich mit Ihnen, in welcher Form ich diesen Kurs an Ihrer Institution geben könnte.

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