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Larkin Terminal

Christophe Fricker Larkin Terminal: Reportage über Singapur, Interviews mit amerikanischen DichternEs begann als ein Selbstversuch: An meinem 20. Geburtstag saß ich mit Judith zusammen am Computer, und wir beschlossen, daß ich auf jedem Kontinent einmal studieren würde. Es kam uns gar nicht abenteuerlich vor, sondern einfach folgerichtig: Das Dogma der Mobilität beherrscht unsere Generation, du mußt flexibel sein, ständig verfügbar, und eigentlich sollst du immer schon woanders sein, oder gewesen sein. Das führt zu wunderbaren Entdeckungen und Begegnungen: in Phnom Penh am See Wodka trinken; sich in Edmonton die Nase abfrieren; in Windhuk gefragt werden, ob der neue Kanzler auch Demokrat sei. Mobilität macht aber auch Mühe, Arbeit: Fortbewegung ist schon eine Leistung. Dabei gerät die Wirklichkeit irgendwann ins Wanken – was bietet noch Halt, woran erinnerst du dich eigentlich? Darum geht es in Larkin Terminal: Von fremden Ländern und Menschen.

Zwischen meinem 20. und meinem 30. Geburtstag habe ich siebenmal interkontinental meinen Wohn-, Studien- und Arbeitsort gewechselt. Das Ergebnis ist: Überall hat man Freunde, man ist aber nie für sie da. Das geht, denn es geht heute fast alles, solange man sich organisieren kann: weiß, wie man ein Visum bekommt, und wo die nächste Bäckerei ist, und Zugang zu facebook.

Ich habe über diese Erfahrungen geschrieben, über das Schöne, das Verstörende und das Indifferente. „Larkin Terminal“ sind Geschichten eines sozialen Schleudertraumas, Stories über Orte und Menschen in Europa, Afrika, Asien und Amerika. Es ist aber auch ein Buch, das Momente des Anhaltens und der Gemeinsamkeit feiert: den Krug Wasser, der an einer Straße in Myanmar von einem zum anderen gereicht wird, den Tee, den die Frau eines englischen Dichters in Ohio serviert, und natürlich Formal Hall.

„Larkin Terminal“ ist der Versuch zu vermeiden, daß als Tagebuch nur die Kreditkarten-Abrechnung bleibt.

 

Rezensionen zu Larkin Terminal, Lesungen, Vorabdrucke

Die Welt über Larkin Terminal„Mit seiner Mischung aus Neugier, Demut, menschlicher Aufgeschlossenheit und Treue zu den von ihm als gültig anerkannten Maßstäben wird er sich überall behaupten – auch in der deutschen Literatur der Gegenwart, die er auf seine feine, kluge Weise eminent bereichert.“ Tilman Krause in der Tageszeitung Die Welt am 30. Januar 2010.

DIE ZEIT über Christophe Fricker„Larkin Terminal. Von fremden Ländern und Menschen (2009) versammelt ein Dutzend ebenso tiefsinniger wie erfrischender literarischer Reportagen.“ [Am 16. November veröffentlichte die Online-Ausgabe der Zeitung DIE ZEIT unter dem Titel “Lyriker klagen gern” ein Interview aus Anlaß der Zuerkennung des Hermann-Hesse-Förderpreises und des Erscheinens von Larkin Terminal. Das ganze Interview gibt es hier.]

Tagesspiegel über Christophe Fricker„Christophe Fricker […] hat in Freiburg, Singapur, dem kanadischen Halifax und dem britischen Oxford studiert. Auch sonst hat er zwischen Namibia und Myanmar kaum eine Gelegenheit ausgelassen, die Welt zu erkunden. Davon zeugen die nervös flirrenden Reiseessays seines nach einem malaysischen Busbahnhof benannten Bandes Larkin Terminal. Zu Recht muss man dabei auch an den großen englischen Dichter Philip Larkin denken. Fricker hält sich gerne an Gedichte, schließlich hat er selbst mit Das schöne Auge des Betrachters Lyrik geschrieben. ‚Mein rotes Notizbuch liegt vor mir und fragt mich, wie es mir geht‘, heißt es in einem der Essays. ‚Eine Mischung aus Faulheit, Vertrauen und Befriedigung macht meine Gegenwart aus, und über die Zukunft mache ich mir keine Gedanken: Sie ist der nächste Ort.‘ Wo wird er sein?“ Rezensionsnotiz in der Tageszeitung Der Tagesspiegel am 7. Februar 2010 und in den Potsdamer Neuesten Nachrichten am 9. Februar 2010.

„Das hätte man sich in einem großen Verlag vorstellen können. Jeder Text unterfüttert mit dem Nachdenken über das Unterwegssein, Fremdsein und den Ort, der sich als Heimat definiert. Die Texte stecken volle kleiner, nüchterner Beobachtungen, etlichen aufmerksam beobachteten Szenen, da und dort sogar Anekdoten – alles Dinge, die verraten, dass Fricker zwar oft sehr nachdenklicher, aber doch genauer Beobachter ist. Einer, der noch auf der Reise den ganz großen Bogen schlägt und mit dem Dichter Dick Davis über das Ende der Reise philosophiert. Und so passiert das Wohltuende: Die fremden Länder und Menschen werden vertraut, aber nur, weil Fricker die Distanz und das Fremdsein gelten lässt. Er versucht nicht, die mitgebrachten Erklärungsmuster über alles zu legen, spielt nicht den Experten oder den Welt-Erfahrenen. Er lässt die kleine Angst zu, das Andere eben doch nicht richtig zu verstehen. Er bleibt Reisender und interpretiert die Freundlichkeit des Bushafen-Personals nicht als Aufhebung der Distanz. Mal ein Reise-Buch ohne nervende Allwissenheit. Das tut gut.“ Ralf Julke in der Leipziger Internet-Zeitung, 7. Januar 2010.

WK „Unterkühlte Ironie schwingt in Frickers Episode aus dem College in Oxford mit. ‚Weinprobe und Abendmahl‘ spiegelt britisches Zeremoniell in Small Talk, Gläserposition und professoralem Lob für den Tischplan. Ziel der Übung am High Table und drumherum ist die ‚unterbetonte Souveränität‘ britischer Lebensart. So reizvoll eben sie kennenzulernen, so verstummt doch nicht die Frage des Autors: Wie viel ‚weiß ich eigentlich über die Länder, die ich in den letzten Jahren gestreift habe‘? Kann er sich der Unwissenheit Mitreisender über Geschichte und Gegenwart Deutschlands denn überlegen fühlen? Es sind die Fragen, die er stellt, die Christophe Fricker auszeichnen.“ Viola Bolduan im Wiesbadener Kurier, 19. Dezember 2009.

WT„‚Larkin Terminal‘, so heißt eine Überlandbus-Station in Malaysia – ein Titel also, der für das Reisen, den kurzen Moment der gemeinsamen Erfahrung steht. Wunderbar beobachtet, mit melancholischem Ton und bilderreicher Sprache kreist Fricker die kleinen und großen Schlüsselszenen ein, die ganze Lebensentwürfe enthalten können. Mit feiner Ironie nähert er sich dabei auch seiner Heimatstadt: ‚Frankfurt hat Banken, Wiesbaden hat Bänke.'“ Birgitta Lamparth im Wiesbadener Tagblatt, 5. Dezember 2009.

bnn„Wie die Protagonisten Hermann Hesses, so ist Fricker unterwegs auf der Suche nach sich selbst und dem Sinn des Reisens. Klug hat er seine Essays angeordnet, denn immer mehr scheint der Reisende zur Ruhe zu kommen, sich im Unterwegs-Sein selbst zu finden. Ganz bei sich selbst ist Christophe Fricker, wenn ihn Gedichte begleiten, etwa bei seiner Reise zu dem Lyriker Dick Davis, ‚um Metren zu lernen, die ich in meinen eigenen Gedichten zur Sprache bringen will.‘ Und so zitiert der polyglotte, sich an der Weltliteratur orientierende Christophe Fricker, den amerikanischen Lyriker: ‚Mit jedem Gedicht versuche ich, es besser zu machen. Eine Erfahrung noch wahrhaftiger zu bewahren. Aber es gelingt nie ganz. Die Dichtung ist zu groß, zu weit über uns. Es bleibt immer ein Rest von Unehrlichkeit gegenüber dem, was ist, was war und was sein kann.'“ Matthias Kehle in den Badischen Neuesten Nachrichten, 26. November 2009.

Heidelberg Gruppenbild

Vom 15. bis zum 17. Dezember 2009 fand eine kleine Lesereise zum Erscheinen von Larkin Terminal statt. In der Tübinger Buchhandlung RosaLux fand im Anschluß eine engagierte Diskussion statt, unter anderem zur Frage, wie Informationstechnologien und neue Medien nicht nur Vorinformationen zu Reisen liefern, sondern durch nachträgliche Recherchemöglichkeiten auch Erinnerungen prägen. Im Heidelberger Antiquariat Stange erkundete eine sehr lebendige Zuhörerschaft die Frage, ob man auf Reisen bewußt Aufmerksamkeit steuern kann und gelegentlich auch abschalten darf. Das Foto zeigt, hinter dem Autor, von rechts nach links, Inhaberin Rosemarie Stange, die Heidelberger Autorin Marion Tauschwitz und die Malerin Christiane Schauder. Wiesbadens Buchhändler und Antiquar Thomas Wiederspahn lud zu einem festlichen Abschluß in sein Geschäft gegenüber dem Schwarzen Bock. Viola Bolduan vom Wiesbadener Kurier berichtete.

GohlisLaunch Party am 10. Oktober 2009 im Gohliser Schlößchen. Zur Präsentation des Herbstprogramms lud der Plöttner Verlag am 10. Oktober ins Gohliser Schlößchen ein. Aus ihren neuen Büchern lasen insgesamt vier Autoren des Herbstprogramms, darunter Thomas Kunst, Reinhard Bernhof und Johannes Martini. Ich wurde per Videoübertragung aus Durham, North Carolina zugeschaltet. Die erschienenen Gäste konnten Verlag und Bücher kennenlernen und einen schönen Abend genießen. Von der Lesung berichtete — augenzwinkernd — Steffen Richter im Berliner Tagesspiegel.

merkurEine Kurzfassung des Singapur-Kapitels wurde im Jahre 2007 mit einem Essay-Preis der Zeitschrift Merkur ausgezeichnet und unter dem Titel „Singapurs kühle Schönheit“ in Heft 694 abgedruckt. Das Thema hieß „Die schönste Stadt der Welt“, und Schönes gibt es in Singapur entlang der Autobahnen, aber auch versteckt in paradiesischen Wohngebieten wie Alexandra Park.

Christophe Fricker Larkin Terminal: Reportage aus Singapur, Erfahrungsbericht über OxfordLarkin Terminal: Von fremden Ländern und Menschen

Larkin Terminal enthält zwölf Kapitel — Porträts von sechs Orten und sechs Menschen. Zu den Orten gehören Wiesbaden („Mein Wiesbaden war der alles übertönende Geruch von nassem Laub, waren Zweige, marmorne Locken, ein Weiher.“), Windhuk, Singapur („East Coast Parkway, Singapurs Highway vom Flughafen Changi stadteinwärts, ist die sauberste Straße der Welt, deren Randbepflanzung aus katalogschönen Palmen so harmonisch aufgereiht ist wie griechische Säulen. Hinter jeder Kurve vermutet man Honoratioren mit Sektgläsern und einem durchschnittenen Band, das nach der eben erst zuende gegangenen Einweihungsfeier noch niemand von der Fahrbahn genommen hat.“), Myanmar, Oxford („Die dunklen Glasfenster der Chapel von St John’s College wirken, als trage die Kapelle eine Sonnenbrille, deren Gläser mit Heiligenbildern bemalt sind, flankiert von ungebräuchlichen Sprüchen. Der Ritus hält sich, und selbst wer die Gegenwart Gottes nicht annimmt, spürt die immer einladende Stille, die kein Gleißen, keine Feier, kein Vergleich ausschöpft.“) und Leipzig.

Zu den porträtierten Menschen gehören Dick Davis, Robert B. Shaw, Joshua Mehigan und Ingrid Meyerhof-Goering.

 

Christophe Fricker
Larkin Terminal: Von fremden Ländern und Menschen
Leipzig: Plöttner, 2009

144 Seiten | Hardcover
ISBN 978-3-938442-63-0

Ein Kommentar

  1. Oliver

    Bin gespannt!

    Oliver

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